Bergisches Land

Beschleunigte berufliche Integration von Flüchtlingen

Das Berufsbildungszentrum der Remscheider Metall- und Elektroindustrie hat seit Jahresbeginn 2016 eine ganze Kette von Qualifizierungsangeboten für Flüchtlinge unterschiedlicher Altersstufen entwickelt - von der allgemeinen Berufsorientierung bis hin zur Vermittlung in Ausbildung oder Arbeit.

Die „systematische Integrationskette“ umfasst fünf Stufen.

So beinhaltet Stufe 1 die „allgemeine Berufsorientierung“ junger Flüchtlinge, angelehnt an das Berufsorientierungsprogramm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Hier können junge Flüchtlinge an fünf Werkstatttagen unter fachlicher Anleitung praktische Übungen in den Berufsfeldern Metall, Elektro und Fahrzeugtechnik absolvieren. Zu den ausbildungstypischen Arbeiten zählen im Metallbereich etwa das um eine Einführung in die CNC-Technik angereicherte Bohren, Fräsen und Drehen. So lassen sich Eignungen für technische Berufe identifizieren - festgehalten in einer abschließenden Bewertung, die sowohl fachliche und methodische wie auch soziale Kompetenzen umfasst.

In Stufe 2 steht die „vertiefte Berufsorientierung“ an. Hier arbeiten junge Flüchtlinge aus den Schulen alle zwei Wochen an einem Nachmittag im BZI an einem konkreten, anspruchsvollen Projekt. Im Bereich „Metall“ etwa bauen sie ein Kickboard, also eine Kombination aus Skateboard und Scooter, komplett selbst, und im Bereich „Elektro“ zum Beispiel eine Schalteranlage oder ein Solarmodell.

Stufe 3 ist das Ausbildungsvorbereitungsjahr, das im BZI jetzt auch Flüchtlingen offen steht. Die Vorbereitung auf eine Ausbildung in einem technisch-gewerblichen Beruf nimmt nicht nur Elemente des ersten Ausbildungsjahres vorweg, sondern dient auch der Förderung der Sozialkompetenz oder dem Persönlichkeitstraining. Gekoppelt mit aktionspädagogischen Maßnahmen wie etwa dem gemeinsamen Sportklettern unter sozialpädagogischer Begleitung steigen hier Lernfähigkeit und Motivation der jungen Flüchtlinge als unverzichtbare Voraussetzungen für eine erfolgreiche Berufsausbildung.

Darauf baut Stufe 4, die „begleitete Ausbildung“, auf. Sie ist Bestandteil der Qualifizierungsinitiative für Flüchtlinge, gefördert vom Bundesministerium für Entwicklung und Zusammenarbeit.

Stufe 5 dann ist an erwachsene Flüchtlinge adressiert. Hier geht es um Qualifizierung, Praktikum und betriebliche Integration in Arbeit. An die achtwöchigen Kurzqualifizierungen schließen sich betriebliche Praktika oder eine Tätigkeit als An- und Ungelernte an. Bei entsprechender Eignung sind aber auch Umschulungen etwa zum Zerspanungs-, Industrie- oder Werkzeugmechaniker möglich. Die aus Bundesmitteln geförderten „Willkommenslotsen“ spielen dabei eine ebenso wichtige Rolle wie die berufsbezogene Sprachförderung in den Stufen 3 bis 5.

Möglich ist das alles nur in intensiver Zusammenarbeit mit mehr als 30 Kooperationspartnern und unzähligen Betrieben. Das BZI ist mittlerweile in der Region als Anlaufstelle für die Qualifizierung von Flüchtlingen bekannt und in zahlreichen Netzwerken etabliert. Auch unter den Flüchtlingen selber gilt unser Bildungszentrum als Ort, der Perspektiven aufzeigt.

In den ersten Monaten haben bereits rund 150 junge Flüchtlinge die Berufsorientierung absolviert, 4 sind im Sommer in das Ausbildungsvorbereitungsjahr gestartet, 62 junge Erwachsene befinden sich aktuell in der matching Phase, 11 wurden bereits in Praktika und Arbeit vermittelt.

Perspektive:

Geplant ist der Aufbau eines hauseigenen Zentrums zur Kompetenzfeststellung, Qualifizierung und Integration für Flüchtlinge. 250 Teilnehmerplätze sollen hier schon bald in einem eigenen Gebäude zur Verfügung stehen.

Kurzum:

Wir engagieren uns für eine nachhaltige Integration von Flüchtlingen in die Gesellschaft und die Nutzung dieses großen Potenzials für die Sicherung des Fachkräftebedarfes der hiesigen Wirtschaft.

„Schon heute können wir anhand vieler Beispiele von Übergängen in hiesige Betriebe nachweisen, dass sich mit der von uns geschaffenen Integrationskette die für eine erfolgreiche Integration allgemein veranschlagte Zeit deutlich reduzieren lässt.“
Michael Hagemann CEO Berufsbildungszentrum der Remscheider Metall- und Elektroindustrie GmbH
Unser Patenschaftsversprechen (PDF, 215 KB)